Nackenverspannungen - Was kann ich dagegen machen?

Hilfe, ich habe immer Nackenverspannungen?

Sehr häufig habe ich mit Klienten zu tun die sich über Beschwerden im Hals- Schulterbereich beklagen und nicht erklären können woher sie rühren. 
Liegt es an dem weichen Kissen oder vielleicht an der Matratze?
Vor allem am Arbeitsplatz scheint dieses Phänomen verstärkt aufzutreten und teilweise bis hin zu Kopfschmerzen zu führen.
Es lässt sich festhalten, dass Nacken- und Schulterschmerzen fast immer auf Verspannungen der Halsmuskulatur zurückzuführen sind. Diese Verkrampfung der Muskeln ist meist die Folge einer ungünstigen Sitzhaltung am Arbeitsplatz oder auch psychologischen Stressoren (Angst, Stress, Zeitdruck etc.) verschuldet.
Zu den hauptsächlich betroffenen Berufsgruppen zählen vor allem Büroarbeiter und Außendienstler, die stundenlang im Auto sitzen und ihren Kopf über längere Zeit in einer  starren Zwangsposition halten.
Kommt eine schwach ausgeprägte Nackenmuskulatur hinzu, nehmen wir unbewusst eine Schutzhaltung ein, d.h. die Schulter wird hoch- und der Kopf eingezogen. Diese Position führt dauerhaft zu einer Überlastung und schmerzhaften Verspannung der Nackenmuskulatur.
Über längere Zeit können die Schmerzen nicht nur Schmerzen verursachen, sondern richtige Schäden in Form von Fehlstellungen (z.B. „Geierhaltung“) hervorrufen. 
Ich möchte euch heute einige Tipps geben wie ihr dem Ganzen vorbeugen könnt.

Die Ursache des Problems

Wie wir festgestellt haben sind Nackenverspannungen häufig die Ursache einer starren Kopfhaltung über einen längeren Zeitraum. Die immer gleiche Blickrichtung auf den Monitor, der gerade Blick auf die Straße sind typische Beispiele aus dem Berufsalltag der geplagten Menschen.  Das Problem ist, dass bei einer zu langen Neigung des Kopfes die Bandscheiben der HWS (Halswirbelsäule) dauerhaft geschädigt werden.
Natürlich gibt es auch andere Faktoren die solche Symptome hervorrufen könne, z.B. durch die funktionelle Einschränkung der Beweglichkeit der Brustwirbelsäule, das falsche Kissen etc. Die Hauptursache bleibt aber eine andere.

Hierfür benötigen wir einen kurzen Exkurs in die Bandscheibenlehre:
Die Bandscheiben sind (ganz einfach erklärt) ein mit Flüssigkeit gefülltes Gelkissen, mit der Funktion Stoßbewegungen zwischen den Wirbelkörpern zu puffern. Da sie NICHT durchblutet werden, hat Mutter Natur sie mit einem anderen System ausgestattet um sich zu „ernähren“ und gesund zu erhalten – die sogenannte Diffusion. Stellt euch die Bandscheibe wie einen Schwamm vor. In Druckphasen gibt sie Flüssigkeit ab, in Entlastungsphase saugt sie sich wieder voll. Dieses Wechselspiel ist für die funktionsfähige Bandscheibe enorm wichtig.
 Fehlt dieses Wechselspiel wie z.B. im Falle der starren Kopfhaltung, tritt durch die ständige Belastung (ohne dazugehörige Entlastungsphasen) Flüssigkeit aus und lässt den Abstand zwischen den Wirbeln mit der Zeit immer kleiner werden.
Die Folgen: Die Knochen können aneinander reiben und zu sehr schmerzhaften Entzündungen führen, es kann im weiteren Verlauf durch die Vorwölbung der Bandscheibe zu Nervquetschungen kommen und endet nicht selten nach langer Schmerzperiode in einem Bandscheibenvorfall – vorausgesetzt man ignoriert es und bleibt inaktiv.

Wie kann ich mir selbst helfen und das Problem lösen?

Die Lösung ist so einfach und scheint doch so schwer zu sein um sie in der Realität umzusetzen. Wichtig für den dauerhaften Erfolg ist die Kontinuität der Übungsausführung, eine dauerhafte Veränderung der Arbeits(platz-)gewohnheiten und präventive Kräftigungsübungen.

Meine 3 Tipps zur Lösung des Problems

1. Überprüfe die Sitzposition am Arbeitsplatz und wechsle sie mehrmal

Die richtige Sitzposition ist gerade bei längerem Sitzen das A und O. Die Stuhlhöhe sollte so eingestellt sein, dass sich die Beine im rechten Winkel befinden oder leicht abfallen.
Die komplette Sitzfläche sollte genutzt werden und der Rücken festen Kontakt zur Rückenlehne haben. Der Lendenbausch sollte auf Höhe der Lendenwölbung sein. Die Armlehne kann als eine schöne Entlastung für die Wirbelsäule fungieren und sollte wenn vorhanden genutzt werden.
Die Tischhöhe sollte auf Ellenbogenhöhe oder minimal niedriger eingestellt sein und der Bildschirm je nach Größe genug Abstand haben.
Wechsle häufig die Position indem du dich vor-  oder zurücklehnst, das Gewicht verlagerst oder zwischendurch aufstehst (Stichwort: Dynamisches Sitzen). Telefonate können wunderbar im Stehen erfolgen. Man kann Gegenstände die man regelmäßig nutzt (z.B. Drucker, Papierkorb, Tacker etc.) auch etwas weiter weg platzieren um öfter aufstehen zu müssen.
Ich erinnere mich noch sehr gut an meine Studentenzeit. Lange Nächte vor Büchern und Skripten in den Klausurphasen führten bei meinen Kollegen grundsätzlich zu Nackenverspannnungen an den darauf folgenden Tagen. Abhilfe hat mir in diesen Phasen immer eine kleine Bewegungspause und aktives Kräftigungstraining geschaffen.

2. Füge kurze Entspannungspausen ein, in denen du deine Nacken und Schultermuskulatur dehnst und mobilisierst

Die Halswirbelsäule ist der beweglichste Teil der Wirbelsäule und muss dementsprechend bewegt werden um gesund zu bleiben und dauerhaft zu funktionieren!
Das regelmäßige Lösen aus der starren Kopfposition führt zu einer Entspannung und Entlastung der Muskulatur und Bandscheiben. Ich spreche nicht über hochkomplizierte Übungen und Bewegungsabläufe.
Es geht um einfache, langsam ausgeführte Drehbewegungen zur Seite um die Muskeln zu lockern und zu mobilisieren. Durch eine leichte Seitneigung des Kopfes erreichen wir eine fühlbare Dehnung der umgebenden Muskulatur. Indem wir unsere Arme einfach mal locker zur Seite hängen lassen und den Körper zwischen die Beine bringen, wird auch mal die Brustwirbelsäule entspannt. 
Streckt man die Arme zur Seite aus und macht kleine Drehbewegungen nach vorne und hinten wird der Schultergürtel effektiv gelockert und durchblutet.
Autofahrer sollten ihrer Gesundheit zu Liebe kurze, regelmäßige Fahrtpausen einlegen und dieselben Maßnahmen ergreifen. Eine Gewichtsverlagerung von einer Pobacke zur anderen während einer längeren Fahrt hat schon Wunder bewirkt.
Auch kleine Selbstmassagen mit den Fingerkuppen am Hinterkopf können helfen oder ein einfaches Händeausschütteln und eine leichte Unterarmdehnung - gerade bei Vieltippern. Es sind wirklich dieses Kleinigkeiten die einen großen Unterschied ausmachen können.

3. Kräftige vorbeugend gezielt deine Muskulatur

Ein kräftiges Muskelkorsett ist wohl eine der wichtigsten Maßnahmen im Zusammenhang mit Verspannungsproblemen der HWS. Mit etwas Phantasie könnt ihr euch sicher gut vorstellen, dass eine gut ausgeprägte Muskulatur die Bandscheiben viel besser entlasten und das Gewicht des Kopfes einfacher tragen kann. Dementsprechend kommt es auch nicht so schnell zu Überlastungserscheinungen der Strukturen. Gerade die Kräftigung der hinteren Muskelkette, bestehend aus der tiefen Rückenmuskulatur, dem Trapezius (gesamte Nackenmuskulatur) und dem  Schultergürtel spielt eine zentrale Rolle in der Stabilisierung der Halswirbelsäule.

Ich bin ein großer Freund von einfachen Maßnahmen mit großer Wirkung. Geht bewusster mit eurer Arbeitszeit um und legt einmal pro Stunde eine kurze Bewegungs- oder Entspannungsphase ein. Verliert vor lauter Stress eure Gesundheit nicht aus den Augen. Lasst diese Gewohnheit zur Routine werden und ihr werdet langsam aber sicher merken dass die Verspannungen sich langsam lösen und mit der Zeit komplett verschwinden.
Gerne entwerfe ich auf Wunsch eine kleine Bilderreihe mit Übungen für euch um den Nackenverspannungen auf ewig adé zu sagen.

Euer Coach

Carmine Stillitano

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