Muskelkater nach dem Training - Gut oder schlecht? Teil 2

Nachdem ich mich gestern mit den Vorgängen befasst habe, die Muskelkater auslösen und geschildert habe, wann es Sinn macht damit trainieren und wann nicht, soll es heute darum gehen wie er im Zusammenhang mit den körperlichen Anpassungsprozessen einzuschätzen ist und welche Maßnahmen man ergreifen kann, um ihn schnell wieder loszuwerden.
                                  
Wann der Muskelkater eher negativ zu bewerten ist

Die Frage ob gut oder schlecht, ist seit jeher Streitthema unter vielen Athleten und auch Trainern. Physiologisch gesehen, handelt es sich um Mikrorisse der Muskulatur, also im eigentlichen Sinne um eine Verletzung.
Wichtig zur Beantwortung der Frage ist also vor allem das Ausmaß der Risse. Starker Muskelkater der über mehrere Tage anhält bedeutet, dass der Muskel in einem Maß geschädigt wurde, welches dein Muskelwachstum und die Regeneration negativ beeinflusst. An ein Training am Folgetag oder den Tag danach, ist oftmals nicht zu denken. Hat man es tatsächlich übertrieben und die Muskulatur im Training so stark überstrapaziert, sollte man die betroffenen Muskelareale bewusst schonen und pausieren. Übergeht man den Schmerz und trainiert in die „Verletzung“ rein, kann es zu noch schwerwiegenderen Verletzungen kommen, die deine Trainingsfortschritte behindern.

Wann der Muskelkater eher positiv zu bewerten ist

Um Trainingsfortschritte zu erzielen, sei es der Kraftzuwachs oder die Hypertrophie (Wachstum) der Muskulatur, müssen überschwellige Reize gesetzt werden. Ein leichter Muskelkater der zwei, bis maximal drei Tage anhält, kann in der Tat als ein Signal für die „richtige“ Intensität interpretiert werden. Die Stärke des Muskelkaters kann man als Anhaltspunkt deiner Trainingsqualität und -intensität bewerten.
Viele ambitionierte Sportler die bereits seit Jahren trainieren, sehen den Muskelkater als positiv an, da sie wieder einen neuen Reiz durch das Training setzen und damit ein Plateau durchbrechen konnten. Sei es durch eine Übungsvariation oder Anpassung anderer Intensitätsvariablen. Es kann also durchaus als Zeichen neuer Zuwächse und damit verbunden als Skala für Muskelanstrengung verstanden werden.

Was kann ich präventiv dagegen tun und wie kann ich ihn lindern?

Einen Muskelkater zu verhindern ist sehr schwer, wenn nicht unmöglich sobald die Trainingsintensität eine bestimmte Schwelle erreicht hat. Technik- und Koordinationsübungen können helfen, genauso wie ein LEICHTER Wiedereinstieg in das Training nach längerer Pause. Neue Übungen, sollten stets mit leichtem Gewicht begonnen und langsam gesteigert werden. Dehnen vor dem Training hilft irrtümlicherweise nicht gegen Muskelkater, kann aber LEICHT ausgeführt nach dem Training, durchaus als regenerative Maßnahme genutzt werden. Dass Massagen helfen sollen ist ein alter Mythos und kann sogar zu einer Verstärkung der Symptome führen. Wenn überhaupt, sollte man eine Sportmassage in professionelle Hände geben und nur so stark massieren, dass es zu einer Förderung der Durchblutung kommt. Im Grunde genommen ist eine gesteigerte Durchblutung der betroffenen Muskeln und Wärme die beste Maßnahme. Dadurch können die Schlackenstoffe besser abgebaut und die Heilungsprozesse gefördert werden. Ein leichter Dauerlauf nach dem Training oder am Folgetag, kann den Ausbruch und die Intensität eines Muskelkaters lindern, ebenso wie eine eiweißbetonte Ernährung, mit viel Mineralstoffen und Vitaminen, die im allgemeinen die Wundheilung fördern und Aufbauprozesse in der Muskulatur einleiten kann.

Ich hoffe ihr seid nach diesem Teil wieder ein Stück schlauer und wisst den Muskelkater richtig einzuschätzen. Hört auf die Signale eures Körpers und entscheidet verantwortungsvoll ob und wie ihr das nächste Training angeht. Muskelkater kann wie man sieht durchaus als ein gutes Zeichen für die richtige Intensität gesehen werden – auf die Stärke kommt es an.
Ich wünsche euch weiterhin viel Erfolg mit dem Training und verbleibe mit freundlichen Muskelkater...

Euer Coach
Carmine Stillitano


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