Yokebe vs. Almased
Bei der Yokebe Diät handelt es sich, ähnlich wie bei
der Almased Diät, um eine Formula-Diät, bei der vereinzelte Mahlzeiten oder
alle durch einen "mit Protein angereicherten", low-carb Shake ersetzt werden.
Zusätzlich sind Vitamine, Ballaststoffe, Mineralstoffe und Spurenelemente
enthalten, die eine bessere Verträglichkeit gewährleisten, den Stoffwechsel
unterstützen und Mangelerscheinungen vorbeugen sollen. Ein erhöhter Proteinanteil
in der Ernährung hat gerade in Diäten, in denen eine kalorienreduzierte Kost zum Tragen
kommt, einen muskelschützenden Effekt und gewährleistet zusätzlich eine längere Sättigung.
Die Formulierung, mit Protein „angereichert“, ist von
mir ganz bewusst so gewählt, denn bei einem genaueren Blick auf die
Inhaltsstoffe sieht man, dass beide Produkte nicht ansatzweise die Proteinmenge liefern die in einem 08/15 Proteinshake aus dem Fitnessstudio stecken.
Den Menschen wird durch den Verkauf in Apotheken natürlich
auch ein Stück Mehrwert suggeriert. Schließlich vertraut man der Apotheke. Man
bekommt dort seine Medizin und viele andere Sachen die uns helfen und
(vermeintlich) gesund machen. Kann also nicht schlecht sein oder? So viel zum
Thema Marketing.
Almased ist verglichen mit Yokebe nicht großartig anders.
Vor allem was die Inhaltsstoffe betrifft sind beide Produkte sehr ähnlich. Ein
Grund für die Kaufentscheidung kann jedoch der Geschmack sein. Yokebe Shakes
haben den Vorteil, dass sie wahlweise mit Früchten, Buttermilch oder
Joghurtvariationen vermischt werden können, um den Geschmack aufzupimpen und
etwas Abwechslung ins Spiel zu bringen. Almased rät in seinem Diätkonzept davon
ab. Eine Darmentleerung wie bei Almased empfohlen, ist bei der Yokebe-Diät
ebenfalls nicht notwendig. Preislich sollte man das Ganze auch vergleichen, da
gerade bei einem längeren Zeitraum von 2 - 6 Wochen (Almased) und 10 Wochen
(Yokebe) der Differenzbetrag am Ende eine große Summe ausmachen kann.
Wie ist der Diätplan aufgebaut?
Bei der Yokebe-Diät unterteilen sich die 10 Wochen in
4 Phasen.
In der Konzentrationsphase wird jede Mahlzeit durch
einen Shake ersetzt, der in etwa 300 kcal liefert und aus 50g Pulver, 200 ml
Flüssigkeit und ½ TL pflanzliches Öl hergestellt wird. Durch diese sehr starke
Kalorienreduktion kann es anfangs durchaus zu großen Gewichtsverlusten kommen. Das sollte
aber verständlich sein wenn man bedenkt, dass man auf 900 kcal (auf der Zunge
zergehen lassen), egal ob Mann oder Frau (nochmals auf der Zunge zergehen
lassen) reduziert wird.
Wer Probleme mit Heißhunger hat, darf zwischendurch
mit selbstgekochter Gemüsebrühe arbeiten.
In der Lernphase werden täglich nur noch 2 Mahlzeiten
durch Shakes ersetzt. Es wird empfohlen eine richtige Mittagsmahlzeit zu sich
zu nehmen, die nicht mehr als 450 kcal enthalten sollte. Ab sofort darf auch
wieder Obst und Gemüse als Zwischenmahlzeit eingenommen werden.
Die Vertiefungsphase wird auf einen
Mahlzeitersatzshake pro Tag reduziert und in der letzten, der sogenannten
Kontinuitätsphase, nur noch bei Bedarf ein Shake ergänzt werden. Der Hersteller
versorgt seine Teilnehmer auf der Homepage mit Rezepten und ja, auch das
Treiben von Sport wird empfohlen.
Die Almased-Diät gibt es in unterschiedlichen
Variation die für 2 – 6 Wochen ausgelegt sind. Planfigur 14 Tage,
Bikini-Notfall-Plan, Fasten, Diabetiker etc. Auch hier gibt es je nach Plan wieder
4 Phasen die zwar anders heißen, aber vom Grundsatz her vollkommen gleich
arbeiten. Von der Startphase, bei der jede Mahlzeit durch einen Shake ersetzt
wird und mit Gemüsebrühe als Zwischenmahlzeit gearbeitet werden darf, bis hin
zur Lebensphase, wo die Shakes nur noch wahlweise ins Spiel kommen.
Kalorientechnisch bewegen wir uns auf einem ähnlichen Niveau. Ich konnte
Angaben von ca. 230 kcal – 300 kcal finden, was in etwa den Nährwerten der
Yokebe-Shakes entspricht.
An dieser Stelle von zwei grundsätzlich verschiedenen
Diätansätzen zu sprechen wäre völlig überzogen und Bedarf auch keiner weiteren
Differenzierung. Viel mehr möchte ich den Pros und Contras widmen, die solch
eine „Ernährungsumstellung mit sich bringt bzw. bringen kann.
Pros und Contras
Die vorgestellten Diätkonzepte arbeiten mit einem
sehr hohen Kaloriendefizit um eine schnelle, anfängliche Gewichtsreduktion anzustreben. Gesund abnehmen sollte immer mit einem moderatem
Kalorienminus über einen längeren Zeitraum erfolgen. Das „Mit-dem-Kopf-durch-die-Wand-Prinzip“ kann durch die
anfängliche Gewichtsreduktion, aus motivationstechnischen Gründen, zwar durchaus
sinnvoll sein, auf lange Sicht wird man dadurch seinen Stoffwechsel jedoch eher
schaden als gut tun. Erst recht wenn man während der Abnehmphase wie empfohlen
Sport treibt und dadurch sein Defizit noch weiter ausbaut. Man kann sich
sicherlich vorstellen wie anstrengend die Kombination aus leeren
Energiespeichern und Sport werden kann.
Diese Kombination führt in vielen Fällen auch zu
einem weiteren Problem, welches vor allem in stark kalorienreduzierten Diäten
auftritt: Das Risiko des Verlusts der wertvollen Muskelmasse! Jetzt könnte
manch einer meinen, dass durch den erhöhten Eiweißanteil die Muskulatur
geschützt wird, realistisch gesehen wird der Körper bei solch einer extremen
Diätform aber immer an die eigene Substanz gehen.
Ab einem bestimmten Zeitpunkt fängt der Körper
einfach an die fehlende Energie aus seiner Muskulatur zu gewinnen. Der
Selbstzerstörungsmodus ist aktiviert.
Und es wird noch problematischer, wenn man bedenkt
dass kein relevanter Unterschied gemacht wird ob Mann oder Frau diese Diät
durchführt. Die Körpergröße spielt eine kleine Rolle und wird lediglich durch ein Löffel Pulver mehr oder weniger und anderen minimalen
Anpassungen berücksichtigt.
Abgesehen von der geschmacklichen Eintönigkeit ist dieses Modell nicht gerade
Alltagskonform. Das „klassische“ Frühstück muss entfallen, das gemeinsame
Mittagessen mit Kollegen wird zur Höllenqual und der abendliche Hunger hat
schon so manchen Tester in den Wahnsinn getrieben. Flüssignahrung ist nunmal nicht jedermanns Sache.
Es gibt natürlich auch einige positive Aspekte die
ich an der Stelle erwähnen möchte. Das Prinzip ist durch die festen Regeln und
Strukturen einfach umzusetzen und erfordert keine große Planung. Wer wenig Zeit
(oder Lust) zum kochen hat, der findet mit dieser Vorgehensweise das passende
Programm. Schütteln – trinken – gut ist.
Wer es schafft die Phasen strikt durchzuhalten,
erfährt eine langsame Entwöhnung von Süßem und Fast Food und legt die Basis für die Umstellung zu einer gesunden
Ernährung. Die Rezepte die man der Homepage entnehmen kann, sind vom Ansatz her
ganz gut durchdacht und leicht nachzukochen.
Folgt man den Anweisungen des
Diätplans, erfolgt durch das kontrollierte Ersetzen von Shakes durch
Mahlzeiten eine langsame Kaloriensteigerung und Adaption des Körpers. Diese langsame Anpassung kann dazu führen, dass der Rebound-Effekt ausbleibt bzw. nicht so stark wie gewohnt ausfällt. Für motivierte Abnehmwillige, die schnelle Erfolge sehen wollen ohne Rücksicht auf Verluste, aber auch für Menschen die aus gesundheitlichen Gründen eine schnelle Gewichtsreduktion
erzielen müssen, ist diese Ernährungsform durchaus sinnvoll. Den Rest würde ich strikt davon abraten.
Fazit:
Um mich kurz zu fassen. Eine Formula-Diät stellt aus
meiner Sicht keine optimale Ernährungsform dar.
Kann man damit abnehmen? Mit Sicherheit. Würde ich es
empfehlen? Nicht wirklich. Ich bin aus mehreren Gründen kein Freund von
radikalen Diäten und beide Diätformen
erfüllen einige davon.
Es kann als Übergang zu einer Umstellung durchaus hilfreich
sein, um den Körper zu entwöhnen und die Initialzündung für den Abnehmerfolg zu
geben. Eine Kombination aus gesunder, ausgewogener und abwechslungsreicher Mischkost
mit gezielter sportlicher Betätigung macht aus eigener Erfahrung jedoch wesentlich mehr Sinn. Ich bin überzeugt,
dass das Geld für eine individuelle Ernährungs- und Bewegungsberatung auf lange Sicht besser investiert ist.
Jedes Ernährungskonzept, welches für einen begrenzten
Zeitraum festgelegt ist, bringt nach den anfänglichen Erfolgen fast immer den
JoJo-Effekt mit sich. Bei einer so stark kalorienreduzierten Kost sogar mit sehr großer Wahrscheinlichkeit.
Die Folgen für unseren Körper sind gravierend – die für unsere Psyche jedoch
fast noch mehr.
Euer Coach
Carmine Stillitano
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