Wie schädlich ist Alkohol im Zusammenhang mit
Training und meinen Fitnesszielen?
Es verwundert nicht wirklich, wenn man sich Zahlen
bezüglich des durchschnittlichen Alkoholkonsums pro Kopf anschaut und liest,
dass der deutsche Bürger im Schnitt ca. 100 Liter pro Jahr zu sich nimmt. Neben
Spirituosen und Wein trägt Bier mit über 50% des Gesamtverbrauchs den höchsten
Anteil bei.
Man kann Alkohol als die
anerkannteste Droge Deutschlands betiteln. Zumindest würde mir spontan nichts
einfallen, was auch nur ansatzweise eine so hohe gesellschaftliche Akzeptanz
erfährt.
Alkoholische Getränke gehören als Stimmungsmacher zu jeder Feier dazu – egal ob Bier beim Männerabend, Wein bei einem gemütlichen Abendessen, Cocktails und Mischgetränke in der Disco oder eine Flasche Sekt beim gemeinsamen GNTM Abend.
Das deutsche Sprichwort: „Ein Gläschen in Ehren, kann
niemand verwehren“, endet nicht selten mit zwei, drei Gläschen mehr und einem bösen
Kater am Folgetag.
Die Liste der Folgeschäden ist lang: Massive Leberschäden, eine Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit, ein
erhöhten Krebsrisiko, bis hin zu Muskelatrophie (Schwund) und der Hemmung des
Fettabbaus. Ich spreche hier nicht ausschließlich von den Risikofaktoren eines
Alkoholikers.
Bereits höhere Einzeldoisierungen können negative Auswirkungen
haben und die Liste um ein Vielfaches erweitern.
Ohne die Rolle des
Moralapostels einnehmen zu wollen, so muss an dieser Stelle nicht weiter
erwähnt werden, welche Folgen ein übermäßiger Konsum auf unsere
Leistungsfähigkeit hat.
Im heutigen Kontext soll es aber speziell um die
Auswirkungen bezüglich der sportlichen Leistungsfähigkeit gehen und im
Zusammenhang mit Muskelaufbau- und Fettabbauprozessen näher erläutert werden.
Was bewirkt Alkohol in unserem Körper?
Neben den notwendigen Makronährstoffen wird Alkohol als „vierter“, nicht-lebenswichtiger Nährstoff
von unserem Körper als reines Nerven- und Zellgift erkannt. Hinzu kommt, dass
Alkohol mit knapp 7 kcal pro Gramm, fast gleichauf mit einem Gramm Fett liegt (9
kcal), während Kohlenhydrate und Eiweiß gerade einmal 4 kcal liefern. Und wir
alle wissen, wie schnell Kalorien aus Getränken aufgenommen werden. Nicht nur
wegen der geringen Sättigung, sondern auch weil die Hemmschwelle bekannterweise
nach einigen Gläsern immer geringer wird.
Alkohol und die Fettverbrennung
Ich sehe die hohe Kaloriendichte und die damit
verbundene Umwandlung von Alkohol in Fett, nicht mal als das Hauptproblem,
sondern eher die Reaktion des Körpers nach dessen Aufnahme.
Klinische Studien konnten eine erheblich
eingeschränkte Fettverbrennungsrate (bis zu 70% und mehr) nach dem unmittelbaren
Konsum feststellen und auch noch lange danach. Aufgrund der fehlenden
Alkoholspeicher muss der Körper das Ethanol als erstes verbrennen.
Folglich
verschiebt sich die Priorität des Stoffwechsels dahingehend, dass alle
wichtigen Prozesse im Körper, also auch die Fettverbrennung, erst einmal hinten
angestellt werden müssen, um das Zellgift zu entsorgen – und das kann je nach
Menge kürzer oder länger dauern.
Während des Abbaus landen Kohlenhydrate und Fette also
viel schneller auf die Hüfte, statt wie gewünscht in den Muskelzellen verbrannt
zu werden. In einer Abnehmphase das absolute Worst-Case Szenario.
Außerdem regt Alkohol erfahrungsgemäß den Appetit an.
Die Pizza oder der Döner „danach“ dürften fast jedem bekannt sein. Nicht selten
werden zum Alkohol fettige Speisen konsumiert und die Menge der aufgenommenen
Kalorien gar nicht mehr richtig wahrgenommen. Sehr schnell ergibt sich ein
erschreckendes Bild.
Ein Liter Bier schlägt mit knapp 500 kcal zu Buche.
Noch schlimmer sieht es beim Sekt aus. Eine Flasche der feinen Brause enthält
stolze 650 kcal. Klassische Mischgetränke wie Jacky-Cola und Wodka-Red Bull
verstärken aufgrund des gelösten Zuckers und der damit einhergehenden Ausschüttung
von Insulin, den Effekt noch weiter. Von Cocktails wollen wir gar nicht erst sprechen.
Und trotzdem geben wir lustigerweise lieber der Tafel
Schokolade die Schuld für die Zusatzpfunde? An dieser Stelle eine kurze Denkpause bitte...und weiter gehts!
Alkohol und Muskelaufbau
Alkohol hat einem großen Einfluss auf unseren Hormonhaushalt.
Es ist schon lange belegt, dass der Konsum zu einer erhöhten Östrogenbildung
und verminderten Testosteronausschüttung führt - und das noch eins, zwei
Tage danach.
Testosteron ist ein wichtiges Steuerungshormon für
den Muskelzuwachs, während ein erhöhter Östrogenspiegel sich eher kontraproduktiv
auswirkt.
Unter dieser Voraussetzung sind Muskelaufbauprozesse also weitestgehend
eingeschränkt. Man kann also festhalten,
dass Alkohol in größeren Mengen ein unheimlich kataboler (muskelabbauender)
Wirkstoff im Körper ist.
Die gehemmte Vitamin- und Mineralstoffaufnahme sowie
-verwertung bleibt auch nicht ohne Folgen. Neben einer verschlechterten
Muskelfunktion (z.B. Kontraktionsfähigkeit) leidet auch das Immunsystem
darunter und kann nicht nur die Aufbauprozesse behindern, sondern auch die
allgemeine Leistungsfähigkeit massiv beeinträchtigen.
Ein ganz kurzer Exkurs an dieser Stelle, weil ich mir
sicher bin, dass sich bis zu diesem Zeitpunkt bereits einige die Frage gestellt
haben:
„ Wie sieht es denn mit alkoholfreiem Bier aus?
Es gibt eine Vielzahl an Studien die eine
ausgezeichnete, rehydrierende Wirkung von alkoholfreiem Bier nach einer
anstrengenden sportlichen Betätigung feststellen konnten.
Nach
einer intensiven Einheit kann ruhig ein alkoholfreies Bierchen zur Wiederauffüllung der Glykogenspeicher und dem schnelleren Abbau von Cortisol genossen
werden. Quasi eine willkommene Alternative zu den sonst bekannten isotonischen Getränken.
Nichtsdestotrotz bleibt es ein kalorienhaltiges Getränk und sollte somit in
einer Diätphase möglichst gemieden werden. Dem Muskelaufbau tut es hingegen nicht weh. 1:0 für das kühle, blonde alkoholfreie!
Wir können zusammenfassend sagen, dass die
regelmäßige Aufnahme von Alkohol, egal in welcher Form, mit Vorsicht zu
genießen ist. Die alte Regel: „Die Menge macht das Gift“ trifft es sehr gut und
sollte stets im Hinterkopf behalten werden.
Wenn es dazu kommt, versucht unbedingt auf euren Appetit
und auf eine ausreichende Wasserzufuhr zu achten um die Kollateralschäden einzugrenzen. 1 – 2 mal im Monat verzeiht der Körper
in der Regel noch – vorausgesetzt man übertreibt es nicht mit dem Essen.
Die negativen Auswirkungen auf unseren Stoffwechsel, dem Muskelaufbau und weiteren lebensnotwendigen Prozesse sind sehr weitreichend und sollten auch aus gesundheitlicher Sicht nicht unterschätzt werden. Ein Bierchen in Ehren, aber wer schlank sein oder Muskulatur aufbauen will sollte eben weniger oder gar kein Alkohol zu sich nehmen.
Mit diesen
abschließenden Wort: Prost Mahlzeit!
Euer Coach