Ganzkörper-Training vs. Split-Training

Wer ein festes Ziel vor Augen hat und sich kontinuierlich verbessern möchte, dem empfehle ich unbedingt einen Trainingsplan zu befolgen. Ein gut strukturiertes Programm ist mitentscheidend ob man sein definiertes Ziel erreicht oder frustriert aufgibt – neben der Ernährung sicherlich der zweite wichtige Erfolgsschlüssel. 
Bereits an diesem Punkt stellen sich die meisten Anfänger und Fortgeschrittenen die ersten Fragen:

Welches Trainingssystem sollte ich befolgen? 

Sollte ich mich an ein klassisches Ganzkörper-Programm halten oder vielleicht doch einen Split-Plan befolgen? 

Welche Übungen sollten auf jeden Fall im Programm enthalten sein und worauf kann ich als Einsteiger erst einmal verzichten?


Bevor wir jedoch in die Thematik einsteigen vielleicht eine kurze Erläuterung bezüglich den unterschiedlichen Ansätzen beider Trainingssysteme:
Während ein Ganzkörper - Trainingsplan (GK-Plan) darauf abzielt in jeder Trainingseinheit möglichst alle Muskelgruppen anzusprechen, werden beim Split-Training sämtliche Muskelgruppen auf mehrere Einheiten aufgeteilt.

Die genannten Trainingssysteme sind sowohl für Anfänger als auch Fortgeschrittene Athleten die mit Abstand am häufigsten genutzten Trainingsmethoden - je nachdem wie die individuelle Trainingserfahrung ist aber mehr oder weniger gut geeignet um stetige Fortschritte zu erzielen.

Welches System ist das Richtige und von welchen Faktoren hängt die Entscheidung ab?

Ganzkörper-Training

Eines vorweg: Es gibt in diesem Falle keine „Richtig oder Falsch“ – Entscheidung. Genauso wenig kann man von einer besseren oder schlechteren Trainingsmethode sprechen.
Ich würde eher von einer etwas sinnvolleren Vorgehensweise reden.
Ich mache den Einsatz der jeweiligen Methode stark vom Status bzw. der Leistungsfähigkeit des Trainierenden abhängig, denn beide Systeme haben diesbezüglich ihre Vor- aber auch Nachteile.
Gehen wir mal klassischerweise vom Anfänger oder Neueinsteiger ohne Vorerfahrung aus.
Was empfiehlt sich wenn er vor der Entscheidung steht: GK-Plan oder Split- Training?

Vor allem Anfängern empfehle ich grundsätzlich erst einmal mit einem GK-Plan in das Training einzusteigen und das aus folgenden Gründen: 
Aufgrund des viel geringeren Volumens pro Muskelgruppe gegenüber dem Split-Training, geben wir dem Körper die Möglichkeit sich langsam an die Belastung zu gewöhnen. Muskeln, Sehnen, Bänder und Gelenke müssen stufenweise an das Krafttraining herangeführt werden.
Wer mit Vollgas einsteigt und sich gleich zu Anfang an den Plänen der Profis orientiert, riskiert schnell eine Verletzung und damit verbundene Zwangspause.

Am besten startet man mit einem Kraftausdauerprogramm und maximal 2 Übungen für die großen und 1 Übung für die kleineren Muskelgruppen. Nach 4 – 6 Wochen Eingewöhnungsphase empfehle ich (bedeutet nicht MUSS!) den Übergang zu höheren Gewichten und niedrigeren Wiederholungszahlen  – vorausgesetzt man fühlt sich sicher in der Übungsausführung. 
In den ersten Wochen beginne ich sehr gerne mit Übungen an den Kraftgeräten, Kabeltürmen und der Multipresse. Der Vorteil liegt einerseits an den (teilweise) geführten Bewegungen und der Möglichkeit der vollen Konzentration auf den Muskel. Aus Sicht der Verletzungsprophylaxe und Bewegungsgewöhnnung ein guter Kompromiss.

Im weiteren Verlauf setze ich den Schwerpunkt gezielt auf die altbewährten Grundübungen wie Bankdrücken, Kniebeuge und Kreuzheben. Eine entsprechende Einweisung in die  korrekte Übungsausführung sollte in allen Fällen erfolgen und ist absolute Voraussetzung für ein sicheres Training.
Die Gesamtdauer sollte bei ca. 60 Minuten liegen und an zwei bis drei Tagen in der Woche durchgeführt werden, mit entsprechenden Regenerationstagen dazwischen. 
Man kann hier ganz unterschiedlich vorgehen und beispielsweise ein GK-Plan A und B im Wechsel durchführen oder bei den gleichen Übungen an unterschiedlichen Tagen bleiben.
Ein guter GK-Plan ist die Basis für die weitere Trainingsplanung und perfekt geeignet um  bei Neueinsteigern die allgemeine Kraft und Koordination zu entwickeln.
Schließlich kann man auch kein Haus bauen ohne festes Fundament.

Split-Training

Das Split-Training ist ein Trainingssystem für erfahrene Athleten und erst dann wirklich zu empfehlen, wenn man bereits 1 – 2 Jahre erfolgreich am Stück trainiert hat. Ich würde es selbst Fortgeschrittenen erst dann empfehlen, wenn die gewünschten Erfolge ausbleiben, die Entwicklung stagniert und der Körper einen neuen Trainingsreiz benötigt.
Als Plateau-Killer also durchaus sinnvoll.

Das Split-Training kann auf unterschiedliche Art und Weise geplant und durchgeführt werden. Ob klassischer 3er Split, bis hin zu einem 4er oder 5er Split, kann man die Einteilung frei gestalten und an sein Zeitpensum anpassen.
Am häufigsten findet man die Kombination aus Brust/Trizeps, Rücken/Bizeps und Beine/ (Schulter). Das Bauchtraining wird meist an den 1- 2 Trainingstagen mit ein paar Übungen hinten angeschlossen.
Die Trainingsfrequenz kann hierbei etwas erhöht werden da nicht der Körper als Ganzes, sondern nur einzelne Muskeln gezielt trainiert werden. Man kann also Montags beispielsweise die Brust und den Trizeps trainieren und am Dienstag ein Beintraining anschließen. 
Der Oberkörper hätte trotz Trainings logischerweise dennoch eine Trainingspause!
Nicht selten findet man Empfehlung die sich für ein 2-1 System aussprechen. Das würde in dem Fall bedeuten, dass an zwei aufeinander folgenden Tagen trainiert und dann ein Tag Pause gemacht wird. Natürlich sollten die Muskelgruppen entsprechend aufgeteilt werden, dass sie sich in der Regeneration nicht behindern.

Wie anfangs bereits erwähnt ist das Gesamttrainingsvolumen für den Körper zwar niedriger, die Belastungsintensität auf den zu trainierenden Muskel jedoch um einiges höher. Nicht selten widmet man den großen Muskelgruppen zwischen 3 bis 5 Übungen á 4 Sätze.
Der Vorteil dieses Systems liegt eindeutig in der Tatsache, dass man die einzelnen Muskelgruppen wesentlich intensiver trainieren kann. Zusätzlich können nun auch Isolationsübungen mit in den Plan aufgenommen und der Muskel zu 100% erschöpft werden.
Am Beispiel des Brusttrainings könnte man nun zum Bankdrücken noch das Schrägbankdrücken mit einfügen und als Isolationsübung am Butterfly trainieren. Mehr ist  diesem Falle nicht zwangsweise besser.
Das höhere Volumen setzt jedoch voraus, dass man sich über die Jahre hinweg eine gewisse Grundfitness antrainiert hat und die Belastungsintensität vom Körper bzw. den trainierten Muskelgruppen überhaupt bewältigt werden kann.
Steigt man zu früh mit solch einem fortgeschrittenen Training ein, resultiert das meist in einer Überlastung des Bewegungsapparates, einem erhöhten Verletzungsrisiko und/ oder ausbleibenden Erfolgen.
Ganz zu schweigen von dem unmenschlichen Muskelkater den man nach so einer Einheit noch tagelang mit sich rumschleppt. Diejenigen unter euch, die schon mal das Vergnügen hatten mit einem Bekannten zu trainieren der seit einigen Jahren im Saft ist, wissen wovon ich spreche!

Fazit
Der GK-Plan ist meiner Meinung nach das optimale Einsteigerprogramm und jedem zu empfehlen der in Sachen Krafttraining keine Vorerfahrung besitzt. Durch das niedrige Volumen wird nicht nur der Bewegungsapparat langsam an das Training herangeführt. Der ausgewogene Mix aus Ober- und Unterkörpertraining gleicht zusätzlich eventuell bestehende muskuläre Dysbalancen aus.
Natürlich  eignet sich diese Trainingsform auch für diejenigen unter euch, die sowieso nur ein bis maximal zweimal in der Woche Zeit für ihr Training aufbringen können und den größtmöglichen Effekt erzielen möchten. Das ganze müsste man dann entsprechend anpassen und modifizieren.

Das Split-Training würde ich erst dann in Betracht ziehen, wenn ich mich auf einem Plateau befinde und merke, dass die Trainingserfolge ausbleiben. Die gesteigerte Frequenz, die höhere Intensität und der bessere Fokus auf den Zielmuskel befördern das Training mit Sicherheit auf das nächste Level und setzen unter Umständen einen neuen Reiz. Man sollte sich aber stets an den eigenen Stärken und individuellen Voraussetzungen orientieren und nicht wahllos die Pläne der Profis aus dem Netz versuchen umzusetzen. 

Abschließend lässt sich sagen, dass keines der beiden Trainingssystem dem anderen überlegen ist. Beide haben ihren Sinn in den unterschiedlichen Trainingsphasen und sollten gezielt eingesetzt werden. Anfangs um den optimalen Einstieg zu gewähren und eine solide Grundfitness aufzubauen und im weiteren Verlauf um die Trainingsfortschritte durch eine Intensitätssteigerung zu gewährleisten. 

Euer Coach








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