Wir durchleben seit einigen Jahren
einen unaufhaltsamen Low-Carb-Trend, der Abnehmwilligen bei der
Gewichtsreduktion helfen soll. Kaum eine Bäckerei die kein
Eiweißbrot im Sortiment hat und natürlich lassen die Discounter mit einem
entsprechenden Angebot nicht lange auf sich warten.
Ein hoher Eiweißanteil, gepaart mit
wenigen Kohlenhydraten, soll das Versprechen einlösen. Gerade abends wird empfohlen auf dieses Brot zurückzugreifen, um die Fettverbrennung im Schlaf zu
optimieren.
Doch hält der angepriesene
Schlankmacher auch das, was es verspricht?
Ich verrate euch heute was wirklich
drin steckt, wie sinnvoll der Einsatz ist und was ich persönlich davon halte.
Warum Eiweißbrot?
Die Idee die dahinter steckt ist
recht einfach: Low-Carb Vertreter machen die Kohlenhydrate für das allgemein
herrschende Übergewicht verantwortlich.
Klar ist: Ein übermäßiger
Kohlenhydratkonsum über Kalorienbedarf, führt nicht nur zu einer verstärkten Fetteinlagerung,
sondern auch zu einer gestörten allgemeinen Fettverbrennung (Stichwort: Insulinausstoß).
Entwickelt man nun Produkte die
einen niedrigen Kohlenhydratanteil haben, kann der Körper die Fettdepots besser
angreifen. So zumindest die Idee.
Low-Carb Produkte gibt es seit eh
und je, früher hauptsächlich für Diabetiker entwickelt und somit keine Neuheit
auf dem Markt.
Das Eiweißbrot entstand aus dem Gedanken heraus, dass viele
Menschen gerade abends nicht gerne auf ihr Abend- oder Pausenbrot verzichten möchten. Mit dieser Alternative soll ein Kompromiss zwischen dem alten Problem
„Diät vs. Verzicht“ gefunden werden.
Was steckt drin?
Die Verbraucherzentrale spricht von
einem durchschnittlichen Anteil von 4 – 7% Kohlenhydrate. Hauptbestandteil sind
pflanzliche Eiweiße aus Weizen, Soja oder Lupineiweiß die ca. 25% des
Gesamtanteils ausmachen.
Der Fettgehalt liegt bei ca. 10% und
ist somit drei- bis zehnmal so hoch wie im normalen Brot.
Im Schnitt stecken in 100g
Eiweißbrot zwischen 250 – 350 kcal.
Ein kleiner Vergleich: Ein
Dinkelvollkornbrot hat auf 100g gerade einmal 203 kcal!
Über den Geschmack lässt sich mit
Sicherheit streiten, aber eins ist gewiss: Es schmeckt anders als normales Brot. Oft wird
es als „klebrig“ beschrieben.
In der Regel ist es auch teurer,
wobei die Discounter in dieser Hinsicht preislich eine gute Alternative zum
Bäcker liefern.
Was halte ich persönlich davon?
Als Verfechter der kalorischen
Bilanz ist mein Hauptproblem der Kaloriengehalt des Brotes. Ihr erinnert euch daran, dass Kohlenhydrate 4 kcal und Fett 9 kcal, also mehr als doppelt so viel, pro Gramm enthält. Geht man nicht bewusst mit dem Konsum um, kann man
durch den hohen Fettanteil schneller seinen Bedarf knacken als einem lieb ist.
Problem Nr. 1: Das Low-Carb-Brot
enthält deutlich mehr Kalorien und Fett als normales Brot!
Wir differenzieren bei den Proteinen
unterschiedliche Wertigkeiten. Pflanzliche Eiweiße liefern eine eher schlechte
biologische Wertigkeit, zumindest in der Zusammensetzung wie wir sie oft im
Eiweißbrot wiederfinden. Einzig das Lupinprotein weist eine hohe Wertigkeit
auf, wird aber aus Kostengründen eher sehr wenig verarbeitet. Man sollte also
bei der Auswahl auf einen hohen Lupinanteil achten.
Problem Nr. 2: Protein ist nicht
gleich Protein!
Aufgrund der schlechten
Backeigenschaften von Low-Carb Brot, sind oftmals viele Zusatzstoffe in dem
Backprozess involviert. Diese Hilfsmittel besitzen sehr häufig ein hohes
allergenes Potenzial.
Problem Nr. 3: Allergiker könnten
ein Problem damit bekommen!
Was spricht dafür?
Viele
Menschen schwören nach wie vor auf das Low-Carb-Brot und ganz unberechtigt ist das nicht. Zumindest
wenn man sich an ein paar grundlegende Dinge hält.
Es gibt genügend Untersuchungen die
gezeigt haben, dass eine kohlenhydratarme Abendmahlzeit zugunsten eines hohen
Eiweißanteils die Fettverbrennung begünstigen kann.
Von der alleinigen Umstellung auf
Eiweißbrot hat aber noch keiner abgenommen. Die gesamte Ernährung muss
analysiert um umstrukturiert werden um erfolgreich abzunehmen!
Ich sehe das Eiweißbrot eher als rein
„funktionale“ Kost für Menschen die bewusst auf eine kohlenhydratreduzierte Kost
umstellen und diesen Lifestyle leben möchten. Auch Abnehmwillige die schnell
ein paar Pfunde verlieren wollen können davon profitieren und natürlich die ambitionierten
Fitnesssportler die in einer Phase der Körperrekomposition, eine Alternative
Quelle zum herkömmlichen Brot benötigen.
Voraussetzung ist aber nach wie vor
die Portionsmenge und die gesamte Kalorienaufnahme! Hat man diese in Griff, spricht
absolut nichts gegen den Einsatz von Eiweißbrot.
Ich beobachte jedoch sehr oft, dass das
Low-Carb Prinzip als Entschuldigung für den vermehrten Konsum dieser Produkte genutzt
wird.
Weniger Kohlenhydrate? Na dann hau
ich mir noch eine dritte Scheibe rein. Nicht zu vergessen die Beilage die noch
on Top draufkommt.
So funktioniert das Prinzip leider nicht.
Ein weiterer Pluspunkt den man an
dieser Stelle nennen kann ist der Sättigungsgrad, der durch das Eiweißbrot
positiv begünstigt werden kann. Wir wissen, dass Eiweiß satt macht. Ergänzt man
diese Tatsache mit dem Fakt, dass wir bis zu 30g sattmachender Ballaststoffe in
100g Eiweißbrot wiederfinden, können wir in der Tat von einem gesunden
Lebensmittel sprechen. Nicht zuletzt sind sie es auch, die für einen gut
funktionierenden Verdauungstrakt sorgen.
Das Fettsäureprofil ist ebenfalls
nicht ganz verkehrt. Im letzten Artikel habe ich euch den Unterschied zwischen gut
und schlecht erklärt. Das Eiweißbrot enthält einen niedrigen Anteil gesättigter
Fette (bedingt durch den Sonnenblumenanteil) bei einem höheren Anteil
ungesättigter Fettsäuren (durch die Leinsaat). Insofern als guter Fettlieferant
nicht zu verkennen.
Fazit
Eiweißbrot kann eine sinnvolle
Alternative zum normalen Brot darstellen, vorausgesetzt man hält sich an die
geschilderten Grundregeln. Vom Eiweißbrot allein hat noch keiner abgenommen.
Wer wirklich der Meinung ist, dass dieses Produkt die Lösung aller Probleme ist
wird früher oder später bitter enttäuscht werden. Low-Carb bedeutet nicht Low-Calorie!
Man sollte es nicht als
„Diät“-Produkt verstehen. Dennoch kann es als unterstützende Maßnahme in einer kohlenhydratarmen Ernährung als „Ersatz“ dienen. Geht bewusst mit dem Einsatz um, vergrößert nicht automatisch die Portionen und ihr könnt durchaus davon profitieren.
Euer Coach
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